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Über das Leben im Tonquadrat

 

Am 3. Dezember 2008 verfasst von Flaco Verd
Kategorie: Interview

Seit einiger Zeit entfaltet sich in Schweinfurt eine Gemeinschaft von Elektro-Jüngern. Ihre Leidenschaft zu elektronischen Klängen ist im letzten Jahr zu einem ernstzunehmenden überregionalen Künstlerprojekt geworden. Wie lebt es sich in einem Tonquadrat? Marc Bieringer im electronic-base Interview.
 

Es sprießen an so manchen Stellen Deutschlands kreative Köpfe aus dem Boden. Wenn sich dann noch zwei, drei Gleichgesinnte dazugesellen kann aus einer fixen Idee eine Lebenseinstellung werden. „Tonquadrat“ ist solch eine Formation, ansässig im fränkischen Schweinfurt. 13 Künstler vereinen unter einem Namen ihre musikalischen Erzeugnisse.

Das Tonquadrat ist innerhalb von eineinhalb Jahren zu einem Schmelztiegel computergenerierter Musik geworden. Die experimentierfreudigen Jungkünstler bringen Drum&Bass, BreakCore, HipHop, Ambient und Electronica in einem hochexplosiven Gemisch unter die Leute. Der erste Sampler zeigte Talent, Vielfalt und vor allem den Spaß an der Sache.

Wie viel Enthusiasmus solch einem Projekt mit sich bringt, beweißt uns Marc Bieringer, neben Christian Kuhn Mitbegründer des Tonquadrat.

Hey Marc, du bist einer der beiden Urväter des Tonquadrat, macht dich das stolz?

Wenn man sich mal die Zeit nimmt um auf das Geleistete zurückzuschauen macht einen das schon irgendwie stolz, schön, dass du fragst! Aber das schönste ist eigentlich einen Event auf die Beine zu stellen auf dem alle Spaß haben, man früh um 8 noch die Location aufräumt und dann völlig losgelöst heimwanken kann. So zwischendrin steht schon mehr der Gedanke im Vordergrund: „Wie kann es weitergehen?“ und nicht: „Wie geil war das denn!?“. Wie im täglichen Leben halt auch.

Wie lange besteht eure Formation jetzt schon?

Seit dem 30. April 2007, da kam unser erster Sampler raus, mit dem das ganze Projekt seinen Lauf genommen hat.

Die Styles der einzelnen Künstler unterscheiden sich teilweise sehr stark. Zollt ihr euch untereinander genügend Respekt, beziehungsweise lernt der eine vom anderen?

Ich denke schon, dass die breite Streuung im Musikspektrum gut ist. Jeder soll sein Ding durchziehen und für Feedback-Runden haben wir ja auch extra einen MP3-Blog eingerichtet, in dem dann offen und ehrlich über die produzierten Stücke diskutiert werden kann. Was die Vielfalt auf jeden Fall schafft, ist offen für neue Richtungen und Strömungen zu werden. So finden manche Tech-Houser jetz auch die neuen BreakCore Stücke von BioZid total schick, oder wir DrumBassler entdecken die musikalischen Traumwelten von den Phoneironauten (Broken Window Poetry).

Um eure Shows auf die Beine zu stellen bedarf es sicher großen Aufwand. Organisiert ihr das alles selbst oder werdet ihr inzwischen gebucht?

Ne, wir machen immer noch alles selbst. So viele Events hatten wir auch noch nicht. Insgesamt hatten wir erst drei Events, haben uns da aber schon einen ganz guten Namen in Schweinfurt gemacht. Der erste Event war eine Mischung aus Tennis und Tischtennis Turnier, mitten in einem Wald – sehr geile Sache das! Die beiden anderen waren Innenstadt Partys, einmal mit breitem Tonquadrat Spektrum, einmal auf Techno/Minimal ausgelegt. Jaja, die Planung verschlingt schon echt viel Zeit, aber ich als alter Medienmanager gehe da recht gut auf und investiere die Zeit unheimlich gerne in das Projekt. Drei Wochen davor ist man eigentlich mit nichts anderem beschäftigt als Anlage zu buchen, Acts klarmachen, T-Shirts drucken, Barpersonal aufzustellen… und im besten Fall auch noch selbst für den Act zu üben.

Wie wird das Projekt in der Region Schweinfurt angenommen?

Eeewig gut! Schweinfurt und die Region freut sich dass sich mal wieder was bewegt in der lahmen Industriestadt. Und tatsächlich war auf den Partys ein richtiges Szenegefühl in der Luft. Solche Sounds hat die Stadt halt auch noch nie gehört und wir sind noch so jung und frisch, dass wir noch aus purer Leidenschaft heraus wirken.

Reichen die Sounds auch über die Stadtgrenzen hinaus?

Unser allererstes Konzert war in Hanau, davon wusste nur keiner (grinst) und es war einfach zu weit weg. Ansonsten sind wir grad noch in der Ausprobier-Phase, wofür uns Schweinfurt als ideales Pflaster dient. Gedanklich strecken wir aber schon immer weiter unsere Fühler Richtung Köln und Berlin aus, wo wir beide gerade wohnen und natürlich auch nach Bamberg und Würzburg um die Region noch mehr zu stärken. Immerhin ist die Regionalität einer unserer USP’s (unique selling Point) von uns, den man auch gerne bedienen sollte.

Eure Strategie ist sicher die sehr aktive Präsenz im World Wide Web. Ist das deiner Meinung nach die heutige Grundlage für den Aufbau einer größeren Fangemeinschaft und der dazugehörenden Unterstützung?

Sicher, über das viel zitierte www ist der Informationsaustausch so leicht wie noch nie, allerdings erfordert es auch beständigen Elan, die Seite am Laufen zu halten und wenn man der einzige ist, der da was dran rumschraubt schläft diese halt manchmal ein. So nehmen die Leute dass dann auch nicht als regelmäßigen Anlaufpunkt wahr. In Zukunft wollen wir den Künstlern mehr Möglichkeiten geben, selbst Einträge zu verfassen um das Portal mehr zu beleben. Ansonsten wollen wir die Live-Events noch stärker Auf- und Ausbauen, da man hierüber, meiner Meinung nach, die Fangemeinde noch viel enger an sich binden kann. Dazu gibt’s dann noch ein schönes Merchendise Paket.
MySpace ist ja auch so ein Thema, an sich ne geile Sache, aber es verschlingt eben auch viel Zeit, wenn man es richtig machen will. Material hätten wir eigentlich auch genug denke ich, aber da müsste ich erstmal mein Praktikum kündigen, aufhören zu studieren und hoffen dass ich mir von HartzIV `n Internetanschluss leisten könnte – wobei den gibts glaub ich bezuschusst. Jaja die Zeit…

Ihr habt zum Beispiel auch die Leute über euer Logo abstimmen lassen. Lassen solche Aktionen den Fan zum Teil einer engeren Community werden?

Stimmt das war das Ziel. Es ist allerdings unheimlich schwer, die Leute von Null an zu motivieren, sich zu betätigen, was wir gerade wieder im MP3-Blog sehen wo sich auch nicht allzu viel regt in letzter Zeit – was wohl auch an den unregelmäßigen Veröffentlichungen liegt. Hier wollten wir ja auch die Community in das Projekt einbeziehen. Beim Logo-Voting lief das ganze dann ein bisschen außer Kontrolle, da sich zwei verschiedene Lager gebildet haben, die sich dann gegenseitig hochgepusht und angefeindet haben. Für die „Kundenbindung“ sind solche Aktionen schon gut. Sie müssen nur vielleicht noch besser beworben und befüttert werden. Aber wie gesagt, erstmal noch ein wenig mehr Bindung durch Live Auftritte schaffen, dann läuft der Rest von alleine. Ideen für solche Community Aktionen haben wir genug, dafür sorgt mein kreativer Gegenpart in der Führungsriege Christian Kuhn.

Der erste Ton² Sampler wurde sehr professionell arrangiert. Ist das der Beweis für die extrem gute Zusammenarbeit unter den verschiedenen Künstlern?

Danke für das Lob erstmal! Was meinst du mit arrangiert? Die einzelnen Lieder in sich, oder das Album bezogen auf die Anordnung der Stücke?

Ich meine die Auswahl der Stücke und das Verpacken in ein passendes Layout.

Uns verbindet halt alle dasselbe irgendwie: Wir kommen aus einer sehr unbewegten Stadt und versuchen durch unsere Musik Bewegung in unser eigenes Leben zu bringen, nicht stehen zu bleiben und dem was wir fühlen, Ausdruck zu verleihen. Wenn das dann noch die Menschen da draußen bewegt ist das wohl das Beste was passieren kann!

Danke für das Interview und euch allen viel Erfolg.

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